Weltmeister im Rettungsschwimmen

Von den Weltmeisterschaften im Rettungsschwimmen, der Rescue 2012 im November in Adelaide/Australien bringt Stephan Ludwig (31) Gold und Silber mit.


Schweres Gepäck hatte das Mitglied der Deutschen Leben-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Ortsgruppe Geislingen/Steige auf seinem Rückflug: Die zwei Medaillen bringen nicht nur ideel einiges auf die Waage. Ludwig wurde zusammen mit seinem Mannschaftskameraden, Norbert Haaser (47), aus der Ortsgruppe Bermatingen/Markdorf (am Bodensee) Weltmeister in der Disziplin „Line Throw“ der Altersklasse (AK) der 30 bis 34-Jährigen. In der Disziplin „100m Manikin Tow with Fins“ der gleichen AK wurde er Vize-Weltmeister und ist damit der erste Weltmeister der DLRG Ortsgruppe Geislingen/Steige.
Alle Disziplinen im Rettungssport sind an mögliche Rettungsszenarien angelehnt, wie sie Rettungsschwimmer gegelmäßig bei ihrer Arbeit antreffen. In der ersten Disziplin gilt es, einem fiktiv Ertrinkenden eine Leine zuzuwerfen und diesen damit schnellstmöglich an Land zu ziehen. „Ich wollte meinen Augen nicht trauen, als ich auf der Anzeigetafel unsere Zeit sah und feststellte, dass wir die schnellsten waren,“ erzählt Ludwig, der sich wie alle DLRG'ler rein ehrenamtlich engagiert. Die Uhr blieb bei 13,53s stehen. Andere Mannschaften hatten zwar deutlich schneller die Leine aufgeschossen, aber dann daneben geworfen. Doch weil  in solch kurzer Zeit Verstöße gegen das Regelwerk schnell einmal passieren, war Jubeln noch nicht angebracht. Denn eine Disqualifikation wäre die Folge eines Verstoßes gewesen. Ludwig erinnert sich daran: „Als ich vorsichtig aus dem Wasser gestiegen war und kein Kampfrichter mich ansprach, war ich mir sicher, dass wir durch waren.“
Viel Zeit zum Jubeln war nicht, denn Ludwig musste gleich wieder ins Wasser zur zweiten Disziplin, die auch Lifesaver genannt wird: Mit Gurtretter und Flossen gilt es 50m zu einer mit Wasser gefüllten Kunststoffpuppe zu schwimmen. Diese fiktive Hilfesuchende muss mit dem gelben Schaumstoffschlauch des Gurtretters zuerst gesichert und dann anschließend 50m zurück geschleppt werden. Nach knapp einer Minute (1:03,01) war die Puppe „in Sicherheit“. Ludwig war die drittschnellste Zeit geschwommen. Der Schnellste hatte das Gesicht der Puppe aber unter Wasser gehen lassen, so dass ein Verunfallter keine Luft mehr bekommen hätte. Dieser wurde deshalb disqualifiziert, und damit war der Geislinger Retter Vize-Weltmeister.
Von Australien schwärmt der in München lebende Doktorand der Elektrotechnik, der vor Jahren bereits ein halbes Jahr in Australien gelebt hatte, indes immer noch: „Super Frühlingswetter, keine Wolke am Himmel, nette Leute, viel Strand und Wellen; da war es eine ganz schöne Umgewöhnung an das nasskalte Winterwetter hier in Deutschland.“